Hundeverordnung

Aktuelles aus der Welt der Haustiere – die Tierarztpraxis Alt- Buch Berlin informiert

 

21.01.2013 Hundegesetz Berlin und Brandenburg

Gesetz über das Halten und Führen von Hunden in Berlin

Das aktuelle Berliner Hundegesetz schreibt vor, dass jeder Hund in Berlin durch ein Chipimplantat zu kennzeichnen ist. Zudem ist eine Haftpflichtversicherung mit einer Deckung von mind. 1 Mio. € pro Versicherungsfall für jeden Hund vorgeschrieben.

Des Weiteren ist eine Leinenführung für Hunde geregelt, sowie die Länge der Leine die erlaubt ist. In geschlossenen Räumen, in öffentlichen Verkehrsmittel, bei großen Menschenansammlungen und auf Zufahrtswegen zwischen Wohnhäusern darf die Leinenlänge 1 m nicht überschreiten. Max. 2 m sind erlaubt in öffentlichen Grün- und Erholungsanlagen, in Parks und Wäldern, welche nicht als Auslaufgebiete gekennzeichnet sind, sowie Sport- und Campingplätzen (§ 3). Auf Kinderspielplätzen, Liegewiesen & Badeanstalten ist die Mitnahme von Hunden verboten (§2). In Berlin besteht keine generelle Leinenpflicht, außer für gefährliche Hunde. Diese sind stets an der Leine zu führen und sollen ab den siebten Lebensmonat stets einen „beißsicheren Maulkorb“ tragen. Auch in Auslaufgebieten sind sogenannte gefährliche Hunde an der Leine zu führen es sei denn sie tragen einen beißverhindernden Maulkorb.

Was genau ein gefährlicher Hund ist, wird im § 4 definiert. Gewissen Rassen und deren Kreuzungen werden von vornherein als gefährlich eingestuft. Jene sind in der sogenannten „Rassenliste" festgehalten. Der Halter eines Listenhundes ist verpflichtet die Haltung bei der örtlichen Ordnungsbehörde zu melden. Es müssen gewisse Nachweise (Bsp. Führungszeugnis, Sachkundenachweis, Wesenstest, u.a.) in einem bestimmten Zeitraum vorgelegt werden, damit der Hund weiter gehalten werden darf. Aber diese Nachweise befreien Hund und Halter nicht von der Leinen- und Maulkorbpflicht

Brandenburger Hundehalterverordnung

Die brandenburger Hundehalterverordnung ist dem Berliner Hundegesetz in den meisten Punkten gleich. Eine Haftpflichtversicherung ist ebenso vorgeschrieben, aber keine bestimmte Höhe der Decksumme. Eine dauerhafte Kennzeichnung mittels eines Mikrochip-Transponders ist für „gefährliche Hunde", sowie für Hunde mit mind. 20 kg oder mind. 40 cm Schulterhöhe Pflicht. Für die kleineren Vierbeiner liegt dies im Ermessen des Besitzers.

Die Vorschriften zur Leinenführung sind dem Berliner Hundegesetz entsprechend.

Im § 8 werden „gefährliche Hunde" definiert. Ähnlich dem Berliner Hundegesetz gibt es auch in Brandenburg eine Rassenliste mit einem Unterschied, in Brandenburg ist die Haltung von fünf bestimmten Rassen gänzlich verboten:

  • Americ. Pittbull Terrier,

  • Americ. Staffordshire Terrier,

  • Bullterrier,

  • Staffordshire Bullterrier und

  • Tosa Inu.

Entwurf zum neuen Hundegesetz Berlin

Im Entwurf für das neue Hundegesetz ist eine generelle Leinenpflicht für alle Hunde ab dem zehnten Lebensmonat vorgeschrieben. Im Gegensatz zum bestehenden Gesetz, hat jeder Hundehalter im Neuentwurf die Möglichkeit sich von dieser Leinenpflicht zu befreien durch das Ablegen bestimmter Prüfungen.                                                                                                                                                                         Demnach werden die erbrachten Leistungen des Hundehalters belohnt, beispielsweise durch die Erlaubnis seinen Hund freilaufen zu lassen.

Es werden alle Hunde in drei Klassen eingeteilt:

Klasse I : alle Hunde < 40 cm Widerristhöhe

Klasse II : alle Hunde > 40 cm die nicht in Anlage 1.1 aufgeführt sind

Klasse III : Hunde die in Anlage 1.1 aufgeführt sind

Anlage 1.1. ersetzt die sogenannte „Rassenliste“. Hunde werden nicht mehr durch ihre Rasse eingestuft, sondern anhand der ursprünglichen Nutzungsart, z.B. Herdenschutzhunde, Wach- und Schutzhunde, Jagdhunde u.ä. So werden zu den Wachhunden bsp. der Deutsche Schäferhund, Rottweiler, Hovawart, Malinois, u.s.w. gezählt. Dadurch wird die Rassenliste abgeschafft bzw. ersetzt durch die Hunde der Klasse III. Eine genaue Auflistung wird noch ausgearbeitet.

Das neue Hundegesetz soll nach einem Ampelprinzip aufgebaut werden, wobei jeder Hundehalter einen Hundeführerschein (HFS) für seinen Hund erhält.

Grüne HFS erlaubt Hundebesitzer ihren Hund frei ohne Leine und ohne Maulkorb laufen zu lassen.

Gelbe HFS erlaubt Hundebesitzern ihren Hund frei mit Maulkorb oder angeleint ohne Maulkorb laufen zulassen.

Rote HFS verpflichtet den Hundehalter seinen Hund an der Leine und mit Maulkorb auszuführen.

Jene welche keinen HSF haben, dürfen nur an der Leine und mit Maulkorb „Gassi gehen“. Eine Ausnahme stellt die Hunde der Klasse I dar, diese Hunde dürfen entweder an der Leine ohne Maulkorb oder frei mit Maulkorb geführt werden, auch wenn kein HSF vorliegt. Die Hunde der Klasse II und III sind grundsätzlich an der Leine zu führen und haben einen beißsicheren Maulkorb zu tragen.

Im neuem Hundegesetz ist im Gegensatz zum bestehenden Hundegesetz eine allgemeine Leinenpflicht festgeschrieben.

Durch das Ablegen gewisser Prüfungen (theoretische oder praktische Prüfungen) kann man sich und den Hund von Leine und/oder Maulkorb befreien. So soll nach dem neuen Hundegesetz jeder Hundehalter eine theoretische Prüfung ablegen, welche „Grundsachkunde“ im Umgang mit Hunden und Verhalten in der Öffentlichkeit bescheinigen. Durch welche Prüfungen man sich welche „Freiheiten“ schaffen kann, ist in der folgenden Übersicht zusammengefasst.

Übersicht zu den Hundeführerscheinklassen

 

 

Klasse I

Klasse II

Klasse III

 

 

Hunde < 40 cm

Hunde > 40 cm,  nicht aufgeführt in Anlage 1.1

Hunde aufgeführt in Anlage 1.1

 

Führen von Hunden

Ab dem 10. Lebensmonat:

Ab dem 10. Lebensmonat:

Ab dem 10. Lebensmonat:

 

Ohne Prüfung

Mit Leine oder Maulkorb

Mit Leine & mit Maulkorb

Mit Leine & mit Maulkorb

 

 

 

 

 

 

Nach der Prüfung:

 

 

 

Ausstellung der HFS durch:

Theorie

Mit Leine oder Maulkorb

Mit Leine oder Maulkorb

Mit Leine & mit Maulkorb

Sachverständigen/ Tierärzte

Praxis I

Ohne Leine & ohne Maulkorb

Ohne Leine & ohne Maulkorb

Mit Leine oder Maulkorb

Sachverständige

Praxis II

(ab 2. Lebensjahr)

 

 

Ohne Leine & ohne Maulkorb

Veterinäramt

Es ist zu beachten, dass dies nur ein Entwurf für das neue Hundegesetz darstellt. Erstmals wurde zur aktiven Beteiligung der Bevölkerung an der Diskussion zum neuen Hundegesetz aufgerufen. Es wurde versucht so viele Parteien wie möglich (Hundeliebhaber, Hundehasser, neutrale Personen, Fachexperten, Tierärzte, Verhaltensexperten, Hundetrainer, Besitzer, Nichtbesitzer, Eltern, Rentner, Kinder u.v.m.) an der Debatte über ein neues Hundegesetz zu beteiligen um alle Meinung zu hören und so gut wie möglich in den Entwurf bzw. neue Hundegesetz mit einfließen zu lassen. Diese Debatte wird „Bello-Dialog“ genannt.

Wichtig Fragen werden im Q & A ausführlich beantwortet.

Lesefassung des Hundegesetzes von Berlin:

http://www.berlin.de/imperia/md/content/sen-verbraucherschutz/lesefassunghundegesetz.pdf

Hundehalterverordnung Brandenburg:

http://www.mi.brandenburg.de/cms/detail.php?id=35848

seriöses Internet-Forum zum Mitreden:

http://www.berlin.de/sen/verbraucherschutz/tierschutz/gefahrenabwehr/hundegesetz/

Pressemitteilungen:

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/berliner-hundegesetz-hundehasser-gegen-hundeliebhaber,10809148,20601296.html

http://www.berliner-zeitung.de/berlin/berliner-hundegesetz-einladung-zum-bello-dialog,10809148,16893506.html

http://www.tagesspiegel.de/berlin/plaene-fuer-mehr-buergerbeteiligung-bello-dialog-fuer-neues-hundegesetz/6719210.html

 

Häufig gestelle Fragen – Arbeitsgruppe einiger amtlicher Tierärzte  Q & A

1. Soll der Hundeführerschein für alle Hundebesitzer Pflicht sein?

→ Nein. Durch vollständig bestandene Hundeführerscheinprüfungen darf ein Hund jedoch in der Öffentlichkeit ohne Leine und Maulkorb geführt werden. Die Leinenpflicht in öffentlichen Grünanlagen etc. bleibt trotzdem bestehen.

2. Was passiert, wenn die Hundeführerscheinprüfungen nicht bestanden oder nicht abgelegt werden?

→ Je nach Größe des Hundes (Grenze 40 cm Schulterhöhe) dürfen kleine Hunde ohne Hundeführerschein außerhalb von Hundeauslaufgebieten nur mit Leine oder Maulkorb geführt werden, große Hunde außerhalb von Hundeauslaufgebieten nur mit Leine und Maulkorb.

Eine nicht bestandene Prüfung kann beliebig oft wiederholt werden.

(Bsp: Eine ältere Dame muss keinen Hundeführerschein bestehen, um ihren kleinen Hund angeleint auszuführen, wenn Sie sich jedoch einen großen Hund anschafft, muss sie auch zeigen, dass sie ihn gefahrlos führen kann, bevor sie ihn an Straßen ohne Maulkorb oder sogar ganz frei führen darf.)

3. Welche Prüfungen müssen abgelegt werden, um den Berliner Hundeführerschein zu erhalten?

→ Je nachdem, wie ein Hundebesitzer seinen Hund in der Öffentlichkeit führen möchte, kann er zuerst einen theoretischen Test absolvieren und danach eine praktische Prüfung ablegen.

Nach dem Bestehen der theoretischen Prüfung dürfen große Hunde in der Öffentlichkeit mit Leine oder Maulkorb geführt werden (gelber Hundeführerschein).

Nach dem Bestehen der theoretischen und praktischen Prüfung dürfen alle Hunde in der Öffentlichkeit ohne Leine und Maulkorb geführt werden (grüner Hundeführerschein).

4. Sind die Prüfungen für alle Hundehalter gleich?

→ Die theoretische Prüfung ist für alle Hundehalter gleich und auf eine „Grundsachkunde“ im Umgang mit Hunden und dem Verhalten in der Öffentlichkeit ausgelegt.

Die praktische Prüfung besteht aus mehreren Sequenzen, die zeigen, ob man den Hund ausreichend in seinem Verhalten kontrollieren kann und einem kurzen vom Prüfer begleiteten Stadtspaziergang.

Für Hunde mancher Rassegruppen gibt es noch einen zweiten praktischen Überprüfungsteil, der erst mit zwei Jahren abgelegt werden kann. Bevor der zweite praktische Teil bestanden wurde, darf der Hund nur wahlweise mit Leine oder Maulkorb geführt werden. Der zweite Teil ist auf mögliche Verhaltenstendenzen der Rassegruppen ausgerichtet und geht z.B. bei typischen Wach- und Schutzhunden auf die Kontrollierbarkeit in für die Besitzer bedrohliche Alltagssituationen, bei Herdenschutzhunden auf die Kontrollierbarkeit von territorial-motiviertem Verhalten und bei typischen großen Beute-greifenden Jagdhunden (wie Bullterrier, etc.) auf die Kontrollierbarkeit von Jagd- und Angriffsverhalten ein.

Nur wenn der zweite, z.T. sehr anspruchsvolle Teil der praktischen Prüfung bestanden wurde, dürfen auch vorherige Listenhunde ohne Leine und Maulkorb geführt werden (Grüner Hundeführerschein).

5. Gibt es Ausnahmen von der Maulkorb- und Leinenpflicht?

→ Ja, bei einer relevanten Krankheit des Hundes oder sehr hohem Alter kann eine Ausnahme beim zuständigen Veterinäramt beantragt werden, sofern dieser bis dahin „unauffällig“ im Sinne des Hundegesetzes war. Eine entsprechende Bescheinigung eines praktischen Tierarztes über den Gesundheitszustand des Hundes muss jedoch vorgelegt werden.

6. Muss für jeden Hund und jedes Familienmitglied ein neuer Hundeführerschein abgelegt werden?

→ Die theoretische Prüfung ist auf alle Hunde übertragbar. Die praktische Prüfung muss mit jedem neuen Hund wiederholt werden.

Für Familien soll es die Möglichkeit geben, den Hundeführerschein gemeinsam abzulegen. Jedes Familienmitglied muss den Hund jedoch in der Prüfung sicher führen können.

7. Können auch Nachbarn oder Bekannte den eigenen Hund ausführen?

→ Jeder vollständig geprüfte Hund kann von einem Bekannten ausgeführt werden, jedoch in der Öffentlichkeit nur mit Leine. Wenn der Hund auch von anderen Personen im Straßenverkehr o.ä. frei geführt werden soll, muss die Person selber eine Prüfung mit dem Hund ablegen.

In Hundeauslaufgebieten dürfen alle geprüften Hunde, die nicht bestimmten Rassegruppen angehören, auch von anderen Personen frei laufen gelassen werden.

Bestimmte Rassegruppen dürfen vor Bestehen der zweiten praktischen Überprüfung, sowie durch fremde Personen, die nicht durch eine Prüfung gezeigt haben, dass sie die Hunde einschätzen und führen können, im Hundeauslaufgebiet nur mit Maulkorb geführt werden.

8. Wie viel soll der Hundeführerschein kosten?

→ Für den theoretischen Teil wird eine Prüfungsgebühr von ca. 20 Euro angestrebt, die für die meisten Hundehalter keine große finanzielle Hürde darstellen sollte. Mit dieser Prüfung dürfen die großen Hunde, die nicht bestimmten potenziell gefährlicheren Rassegruppen angehören, bereits in der Öffentlichkeit ohne Maulkorb geführt werden.

Diese Prüfung gilt auch als die geforderte Sachkunde, die vor der Erstanschaffung eines Hundes erbracht werden muss.

Für die praktische Prüfung werden ca. 50 Euro angesetzt, wobei der höhere Aufwand bei bestimmten Rassegruppen (z.B. Videoaufzeichnungen) eine Erhöhung auf ca. 75- 100 Euro rechtfertig.

Der zweite Teil der praktischen Prüfung wird je nach Aufwand ( bei territorial- motivierten Rassen evtl. Prüfung im häuslichen Umfeld, daher Anfahrtsweg)

etwa bei 75-150 Euro liegen. (Als Vergleich: Die jetzige verpflichtende Anmeldung eines Listenhundes kostet insgesamt mindestens 300 Euro, wobei der Hund trotz bestandenem Wesenstest weiterhin mit Maulkorb und Leine geführt werden muss…)

9. Werden die jetzigen Wesenstests oder andere Hundeführerscheine anerkannt?

→ Wesenstests: Nein, da sie nicht darauf ausgerichtet waren, die Hunde nach der Prüfung ungesichert laufen zu lassen.

Wurden die Wesensüberprüfung nach vergleichbaren Vorgaben durchgeführt, wie die neuen Hundeführerscheinprüfungen, können sie jedoch teilweise oder ganz anerkannt werden.

Andere Hundeführerscheine bzw. Prüfungen: Vergleichbare Prüfungen,

z.B. BHV-/IG-H/BVZ-Hundeführerscheine können bei Hunden, die nicht bestimmten Rassegruppen angehören, als gleichwertig anerkannt werden. Bei bestimmten Rassen können die nicht geprüften Verhaltensweisen durch eine kürzere Zusatzprüfung ergänzt werden.

10. Wird die Rassenliste abgeschafft?

→ Jein. Es gelten immer noch strengere Vorschriften für das Führen und Halten bestimmter Hunderasse, die sogar auf weitere, von ihrem Potential her ähnliche Rassegruppen, ausgeweitet wurden.

Demnach werden jetzt nicht nur die vormals vier häufigsten Listenhunde gesichert geführt, sondern auch alle ähnlichen und vergleichbaren Rassen, sodass ein „Umschreiben“ in andere Rassen sinnlos wird.

Durch die Hundeführerscheinprüfung wird jedoch Haltern die Möglichkeit gegeben, bei entsprechend gutem Führen des Hundes, von der ehemaligen Maulkorbpflicht oder sogar auch Leinenpflicht befreit zu werden.

11. Dürfen jetzt also alle Amstaffs, Bullterrier, Pitbulls, etc. frei laufen und sich (da keine Rassenliste mehr besteht) unkontrolliert vermehren?

→ Nein! Da das Bestehen der zweiten Überprüfung an eine Zuchterlaubnis gekoppelt ist, sind die Vorgaben für den grünen Hundeführerschein (ohne Maulkorb und Leine) bestimmter Rassegruppen sehr streng gewählt.

Zum einen soll die Prüfung helfen, das Zuchtziel dieser Rassen, insbesondere in Hinblick auf die Verträglichkeit mit Artgenossen, zu verändern. Zum anderen wird der grüne Hundeführerschein nur von der zuständigen Behörde ausgestellt, so lange sich keine Bedenken gegenüber der (mit Videoaufnahmen dokumentierten) Durchführung der Prüfung und Zuverlässigkeit des Halters ergeben.

Die illegale Zucht und Einfuhr von American Staffordshire Terriern und Pitbulls wird und kann weiterhin streng geahndet werden. Bei einer unerwünschten Vermehrung ungeprüfter Elterntiere können die Welpen weiterhin sofort beschlagnahmt und die Elterntiere nun auch kastriert werden. Die Herkunft von Hunden bestimmter Rassegruppen, insbesondere Amstaff, Pitbull, etc. muss der zuständigen Behörde auf Verlangen angegeben oder nachgewiesen werden.

12. Wer darf die Prüfung abnehmen?

→ Die theoretische Prüfung kann in angemeldeten Tierarztpraxen und bei neu benannten Sachverständigen abgelegt werden.

Personen können sich als Sachverständige qualifizieren, sofern sie z.B. eine mehrjährige theoretische und praktische Ausbildung im Bereich Hundeverhalten nachweisen können, sich stetig weiterbilden und mehrere geeignete Gutachten mit Videodokumentation einreichen. Für die Abnahme der Prüfung bestimmter Rassegruppen müssen sie praktische Erfahrung mit diesen Rassen nachweisen können.

15.01.2013 Ein Fall aus der Praxis- Osteosarkom bei einem Schäferhund.

Ein Schäferhund wurde um Weihnachten letzten Jahres mit Schmerzen in unserer Praxis vorgestellt. Der sonst sehr agile Hund liess den Kopf hängen und lahmte mittelgradig am linken Vorderlauf. Da das Tier mit elf Jahren schon die ein oder andere Lahmheitsepisode hinter sich hatte, beschlossen die Besitzer und unsere Tierärzte bei der ersten Vorstellung, den Hund unter ein Schmerzmittel zu setzen und zu schonen, um den weiteren Verlauf abzuwarten. Im Januar hatte sich die Lahmheit jedoch verschlechtert, der Hund war lt. Beschreibung der Besitzer kaum zu bewegen, aus dem Haus zu gehen. Eine Röntgenuntersuchung zeigte eine deutliche Auflockerung eines Unterarmknochens nahe am Ellenbogengelenk. Die Verdachtsdiagnose Osteosarkom, das ist ein bösartiger Tumor des Knochens, stand schnell fest. Differenzialdiagnostisch kam eine (gutartige) Knochenzyste in Betracht, jedoch zeigen die Hunde dabei in der Regel keine so drastischen Schmerzen wie unser Patient. Zur Absicherung kann in diesen Fällen eine Knochenbiopsie durchgeführt werden, die dann histolgisch bewertet wird. Die Therepie besteht bei einem Osteosarkom aus der Tumorentfernung mit gliedmaßenerhaltender Operation oder einer Amputation der Gließmaße. Da in diesem speziellen Fall aufgrund der Lage der Geschwulst nur eine Amputation in Frage kam, baten wir die Tierklinki in Königs- Wusterhausen, ein CT des Brustkorbes durch zu führen. Dem Hund sollte eine Operation diesen Ausmaßes nur zugemutet werden, wenn danach eine reelle Chance auf komplette Heilung bestanden hätte. Leider konnten im CT schon Metastasen nachgewiesen werden, weshalb aus ethischen Gründen gegen eine OP entschieden wurde. Trotzdem gelingt es uns zur Zeit gut, dem Hund durch palliative Maßnahmen ein schmerzfreies Leben zu ermöglichen. Wir arbeiten dabei mit einem NSAID (Schmerzmittel), einem Morphin und einem magenschonenden Medikament. Die Besitzer sind dankbar um diese Zeit, in der sie sich von ihrem Hund verabschieden können und genießen jede Minute mit ihrem Hund sehr intensiv. Übrigens wurde dem Hund nach der Diagnose versprochen, dass er nie mehr zum Tierarzt muss. Da die Besitzer nachhaltig zu ihrem Versprechen stehen, werden alle weiteren Maßnahmen im Hausbesuch durchgeführt. Der Fall ist ein Beispiel dafür, dass von Fall zu Fall, obwohl keine Heilung des Tieres mehr möglich ist, ein palliativer Ansatz in der Tiermedizin für Hund und Besitzer Erleichterung bringen kann.

09.01. 2013 Lassen Sie Ihre Tiere unbedingt gegen Staupe impfen, wenn es noch nicht geschehen ist! Laut einem Bericht der Berliner Zeitung vom 08.01.2013 ist die Fuchspopulation in und um Berlin zu etwa 30% (!!!) mit der gefährlichen Infektionskrankheit Hundestaupe durchseucht. Hierbei handelt es sich um eine Erkrankung, die durch das canine Staupevirus verursacht wird. Zwar ist der Erreger nicht allzu resistent und ist durch alle gängigen Desinfektionsmittel abzutöten, trotzdem kann er auch eine begrenzte Zeit außerhalb des Organismus überleben. Der Erreger wird durch die Nasen- und Maulschleimhaut aufgenommen und wird in allen Sekreten und Exkreten ausgeschieden. Streng genommen reicht es also, wenn die Hunde an Ausscheidungen der Füchse lecken oder schnuppern. Meist betrifft die Erkrankung junge Hunde bis zu einem halben Jahr, doch können auch ältere Hunde erkranken.

Nach Infektion zeigen die Tiere alle Anzeichen einer systemischen Erkrankung mit Fieber und Unwohlsein, danach können etliche Organsysteme betroffen sein. So kommt es zu Durchfällen und Erbrechen, Atemproblemen und Bindehautentzündungen. Bei Jungtieren wird häufig der Herzmuskel befallen, später wird schlechtesten Falls das gesamte Nervensystem involviert. Den Begriff "Staupetick" als Folge der Infektion, der sich durch Muskelzuckungen zeigt, war noch vor einigen Jahren ein gängiger Begriff. Wir müssen unbedingt weiter impfen, damit das Virus nicht wieder Einzug in unsere Hundepopulation halten kann!

Übrigens enthalten alle gängigen Impfsorten für den Hund auch einen Staupeschutz.